Anhang

Mataji Kalyan Puriji

Mataji Kalyan Puri, eine von Paramhans Swami Maheshwaranandas ergebensten Schülerinnen, wurde in Tirol geboren und erhielt den Namen Katharina Schuler. Von frühester Kindheit an war sie sehr gläubig. Nach ihrem Studium unterrichtete sie als Professorin an einem Internat. Sie legte ein Gelübde ab, der Menschheit zu dienen und widmete ihr Leben diesem Grundsatz.

Auf ihrer Suche nach Selbstverwirklichung traf sie mit Vertretern verschiedener Bekenntnisse und Glaubensrichtungen zusammen, fand aber nicht den Meister, der sie zur Vollkommenheit führen konnte. Gott aber hilft seinen Ergebenen, und so ergab sich 1975 die Gelegenheit, Paramhans Swami Maheshwarananda zu begegnen.

Wir besuchten gemeinsam einen Vortrag über  Yoga, der von Graf Franz Hoyos, einem langjährigen Anhänger der Yogalehre, mit Swamiji im Palais Palffy in Wien veranstaltet wurde. Vom ersten Augenblick an erkannte Katharina, daß er derjenige war, den sie gesucht hatte, ihr spiritueller Meister. Tief beeindruckt von der Persönlichkeit und den Lehren Sri Mahaprabhujis beschloß sie, dem Yogaweg unter der Führung von Swamiji zu folgen.

Sie erhielt die Mantra-Einweihung und Swamiji gab ihr den spirituellen Namen Kalyan Puri. So begann ihr Yogaweg unter Swamijis Anleitung in unserer damals noch kleinen Gruppe. Ihr tiefer Glaube und ihre aufrichtige Bemühung brachten sie in ihrer Entwicklung rasch voran. Ihr warmes Herz, ihr reiner Sinn und ihr aufrichtiges Wesen waren erfüllt von großer Liebe zu allen Lebewesen.

Bald war sie eine der Aktivsten in unserer Yoga-Gruppe und nahm die Organisation des inzwischen gegründeten Sri Deep Madhavananda Ashram in ihre Hände. So wurde sie Mataji (Ashram-Mutter) genannt. Unermüdlich half sie, Swamijis Botschaft "Yoga im täglichen Leben" zu verbreiten.

Mehrere Male reiste sie gemeinsam mit Swamiji zu den heiligen Stätten von Mahaprabhujis Wirken in Indien und lebte dort in den Ashrams von Jaipur, Nipal, Kailash und Khatu. In Swamijis Heimatort Rupawas hatte sie wiederholt Gelegenheit, Swamijis Mutter zu treffen, die sie sehr verehrte.

Mit ihrer Unterstützung wurde im Khatu Ashram eine Halle errichtet, um den Ergebenen von Mahaprabhuji die Möglichkeit zu Gebet und Meditation vor seinem Samadhi zu geben.

Im ihrem zweiundsiebzigsten Lebensjahr verließ Mataji Kalyan Puri 1982 diese Welt, aber sie lebt in unser aller liebevollen Erinnerung weiter.

 

Kriyanand (Ing. Hans Hörschläger), Wien

 

Yoga in Österreich

Yoga ist in Österreich schon seit einigen Jahrzehnten bekannt. Vor vierzig Jahren las ich das erste Buch über Yoga und probierte einige der darin beschriebenen Übungen aus, hauptsächlich Atem- und Konzentrationsübungen.

Der Beginn des Wirtschaftsaufschwungs brachte einen Verlust innerer Werte mit sich. Wir erfahren dies auch auf dem religiösen Gebiet. Doch sind die Elemente des humanistischen Denkens in Europa immer noch sehr stark, so daß dieser Verlust auch von der jungen Generation als schmerzlich empfunden wird. Daher besteht heutzutage eine so große Nachfrage nach Büchern über Yoga, Zen und Autogenes Training. Erst kürzlich habe ich zwei neue Bücher entdeckt: Der Russe Boris Sacharow gibt praktische Anweisungen für Yoga und Swami Devaji Maharaj aus Indien verfaßte im Jahr 1972 das Buch "Wissenschaft der Seele". Einige Bücher versuchen, uns auch die indische Geisteshaltung zu vermitteln, andere entnehmen dem Yoga-System nur die praktischen Übungen und passen sie unserer Denkweise an.

Am besten ist es, Yoga in einer Gruppe zu üben. Unter der Leitung eines Lehrers werden die harmonisierenden Yoga-Asanas geübt, die auch unser Inneres in Gleichgewicht bringen. Die einfachen Atemübungen und die Konzentrationstechniken führen uns zu jenem inneren Frieden, den wir Europäer so sehr vermissen.

In den vergangenen drei Jahren ist auch aus dem christlichen Bereich ein starker Impuls gekommen. Viele Priester finden in Yoga eine Methode für innere Konzentration. In den sogenannten Exerzitien wird Meditation auf der Grundlage von Yoga geübt, um die inneren Kräfte zu aktivieren. Der traditionelle christliche Weg der Meditation ist stark geprägt durch Verstand und Willenskraft. Dieser rationale Weg paßt zu den Menschen des westlichen Kulturkreises. Yoga bietet eine neue Möglichkeit, die inneren Fähigkeiten zu aktivieren, so daß auch die unbewußten Kräfte zur inneren Harmonie beitragen können. Diese Art von Yoga ist natürlich sehr weit von der fundamentalen Religion der Yogis entfernt und wird als eine ganzheitliche menschliche Methode im christlichen Bereich angewandt, und in dieser Form ist es sicher das wunderbarste Geschenk, das uns Indien als Mutterland des Yoga gegeben hat.

Durch die Kurse von Paramhans Swami Maheshwarananda, einem der Schüler von Sri Swami Madhavanandaji Maharaj, bin ich zu dem Schluß gekommen, daß man, bevor man einen erfahrenen Guru trifft, über gewisse Grenzen nicht hinauskommen kann. Bücher können nur Wissen vermitteln. Auch europäische Lehrer sind sicherlich in der Technik des Yoga erfahren, aber ein Guru ist mit inneren Kräften ausgestattet, die den Schüler unterstützen. Ein echter Guru scheint mir mit einem Akkumulator vergleichbar zu sein, der die Energie bei direktem Kontakt weitergibt. So werden in uns Zentren lebendig, die durch bloßes rationelles Denken nicht erweckt werden können.

Für uns Christen ist es schön, zu sehen, wie tief der Guru im Glauben seines Landes verwurzelt ist. Aber wir schätzen auch die Tatsache, daß er die Ergebnisse von Psychologie, Biologie und Medizin mit in Betracht zieht, um Yoga eine wissenschaftliche Grundlage zu geben. Deshalb wäre es gut, wenn alle Yoga-Lehrer, die in den Westen gehen, auch mit einer wissenschaftlichen Ausbildung ausgestattet würden. Der heutige Mensch fordert vom Christentum größere Einsicht in das Göttliche weitab von aller Magie. Je schneller Yoga einen Wandel der menschlichen Natur durch psychologisch klare Methoden bewirken kann, umso weniger wird der Westen Yoga zu einfachen Turnübungen degradieren. In den letzten Jahren hat sich von den USA ausgehend eine Welle von Parapsychologie und Spiritismus über ganz Europa ausgebreitet. Immer mehr Universitäten beginnen, diese geheimnisvollen Phänomene zu untersuchen. Zunächst sollten die reinen Fakten festgestellt und erst danach eine Erklärung versucht werden. In der Parapsychologie werden wir mit einer neuen Dimension des Lebens konfrontiert, die nicht nur einigen Auserwählten gegeben ist, sondern den Lebensraum der ganzen Menschheit oder vielleicht sogar des gesamten Universums repräsentiert. Die fundamentalen Gesetze und Energien, die den Kosmos erfüllen, werden immer mehr offenbar.

Einige von diesen geheimnisvollen Phänomenen kann ein fortgeschrittener Yogi selbst hervorrufen, z. B. Telepathie, Hellsehen, Verlassen des Körpers oder Psychokinese. In seinem Buch "Autobiographie eines Yogi" beschreibt Paramhans Yogananda Phänomene des indischen Yoga, die uns Europäern unglaublich erscheinen, die aber auf eine vollständige Beherrschung von parapsychischen Kräften hinweisen.

Für die Forschung auf diesem Gebiet ist die Wiederholbarkeit solcher Phänomene die Grundbedingung, und diese wird oft von Yogis geboten. So liegt im Yoga der Schlüssel für ein weltweites Verständnis der höheren Dimensionen. Wäre es nicht eine wunderbare Aufgabe für indische Wissenschaftler, diese Fakten in objektiver Weise aufzuzeichnen, zu analysieren mit allen Mitteln der Psychologie und Technik, und sorgfältig die Wege, die zu diesen Kräften führen, zu rekonstruieren? Dadurch würde die Basis für eine Grundlagenforschung geschaffen werden. Wenn diese Wege nicht begangen werden, ist die Gefahr groß, daß dieses Wissen in Vergessenheit gerät. Noch ist Zeit genug, der Welt diesen wunderbaren Schlüssel zu den Kräften ihres Inneren zu geben.

 

Kanonikus Pfarrer Wilhelm Mantler
Gars am Kamp (Österreich)

Bericht von Dr. Sheetal

Dr. Sheetal, ein in Europa lebender Augenspezialist, ist ein großer Verehrer von Sri Mahaprabhuji. Er schrieb über Mahaprabhuji und Paramhans Swami Maheshwarananda folgenden Bericht nieder.

 

OM NAMAH SHIVAYA.

OM NAMAH BHAVATE VASUDEVA

OM, ich verbeuge mich vor Gott Shiva;

OM, ich erweise Gott Vishnu meine Verehrung.

 

Ich stelle mein Leben unter den Schutz dieses heiligen Mantras. Von Jugend an war ich ein Verehrer Gott Shivas und hielt jeweils am Montag ihm zu Ehren einen Fasttag ein. Zahlreiche Yogis und Heilige halfen mir durch ihre Gnade in meinem Leben weiter. Das letzte Ziel meiner Hingabe zu Gott war stets, eines Tages Seinen Anblick zu erlangen. Diese Sehnsucht wurde mir durch Yogiraj Swami Maheshwarananda erfüllt, durch den mir die Erscheinung der göttlichen Inkarnation Bhagwan Sri Deep Narayan Mahaprabhuji zuteil ward.

Ich war von Indien nach Österreich ausgewandert, und durch die Gnade Gottes und mit Hilfe Dr. Hoyamans erhielt ich im Dezember 1972 eine Stelle als Gastarzt in einer angesehenen österreichischen Klinik. 1973 heiratete ich Chandralekha Sharma und nahm sie mit mir nach Österreich. Durch Gottes Gnade und die Gebete meiner Frau wurden mir eine Verlängerung meines Arbeitsvertrags sowie eine beträchtliche Gehaltserhöhung gewährt.

Im Mai 1975 zog ein Bericht in einer Tageszeitung mit dem Foto eines indischen Yogiraj meine Aufmerksamkeit auf sich. Meine Frau und ich selbst wünschten, ihn zu treffen, und das Bild des Yogiraj blieb meinem Gedächtnis eingeprägt. Am zweiten Juli 1975 gebar mir meine Frau eine Tochter. Es war Gurupurnima-Tag, deshalb tauften wir sie auf den Namen Kumari Purnima. Einige Monate später erfuhren wir, daß der Yogiraj nach Graz kommen würde. Erfreut nahm ich diese Gelegenheit war und reiste mit meiner Familie dorthin.

Als wir ankamen, fand ich Swamiji umgeben von einer großen Zahl europäischer Schüler, so daß ich nicht viel Hoffnung auf ein persönliches Gespräch mit ihm hatte. Wir vereinbarten daraufhin einen Termin für ein privates Zusammentreffen und hatten dabei Gelegenheit, ihn näher kennenzulernen. Von da an besuchten wir ihn öfter.

Ich hatte das Ziel, das ich vor Augen hatte, nach wie vor noch nicht erreicht. In Swamijis Ashram hörte ich zum ersten Mal von Sri Mahaprabhuji. Wir waren aufs höchste beeindruckt von Swamijis Erzählungen und die Sehnsucht wuchs in uns, Sri Mahaprabhuji einmal zu sehen. Mit diesem Wunsch im Herzen wählte sich meine Frau Chandralekha Swami Maheshwarananda zu ihrem Guru. Swamiji weihte sie an einem Vollmondtag mit Mahaprabhujis Mantra ein.

Als Einwanderer in Österreich hatten wir so einiges an Schwierigkeiten zu überwinden. Mein Anstellungsvertrag in Schärding war abgelaufen, und ich war arbeitslos. Ich wünschte mir sehr, den verehrten Satguru Paramhans Swami Madhavanandaji kennenzulernen, und kehrte deshalb im Februar 1979 nach Indien zurück, um ihn in Jaipur zu besuchen. Er schenkte mir Mahaprabhujis Biographie, aus der ich nun mehr über diesen erfahren konnte. Nach einem Aufenthalt von etwa drei Wochen kehrte ich nach Österreich zurück und fand nach einiger Zeit eine befristete Anstellung in der Augenklinik von Zell am See.

Ich gewann einen Hotelier zum Freund, den wir oft besuchten und bei dem wir Satsang zu halten pflegten. Einmal verabschiedeten wir uns von ihm spätnachts. Auf unserer Heimfahrt mit dem Auto ging uns plötzlich das Benzin aus. Es war schrecklich kalt, und draußen schneite es. In einiger Entfernung erblickten wir die erleuchteten Fenster einiger Häuser. In der Hoffnung, dort Benzin erhalten zu können, ging ich hin, konnte aber keines bekommen. Traurig und enttäuscht kam ich zurück.

Wir sahen keine andere Möglichkeit mehr, als uns an Mahaprabhuji um Hilfe zu wenden. Meine Frau Chandralekha war im Wagen in Meditation über Mahaprabhuji versunken.

Plötzlich erschien ihr ein Lichtstrahl und sie hatte das Gefühl, als sagte Mahaprabhuji zu ihr: 'Mache dir keine Sorgen. Euer Wagen wird euch sicher heimbringen.' Da forderte Chandralekha mich auf: "Starte den Wagen. Mahaprabhujis Gnade wird uns nach Hause führen."

Ich fragte mich, wie der Wagen ohne Benzin wohl fahren sollte; trotzdem verbeugte ich mich vor Mahaprabhuji und drehte den Zündschlüssel. Zu meiner großen Überraschung sprang der Wagen sofort an. Durch die Gnade Mahaprabhujis kamen wir sicher und heil nach Hause. Wir waren über dieses Wunder maßlos erstaunt und äußerst froh. Chandralekha ging sofort in ihr Zimmer und dankte Mahaprabhuji mit Tränen in den Augen in einem Gebet. Damals entstand auch in mir eine starke Sehnsucht, Mahaprabhuji einmal zu sehen.

Bei unserem nächsten Besuch in Wien hatten wir Gelegenheit, einem Empfang beizuwohnen, der von der indischen Botschaft zu Ehren von Paramhans Swami Maheshwarananda gegeben wurde. Swamiji sprach vor einer großen Zuhörerschaft. Trotz seines vollen Programmes empfing er uns sehr herzlich. Er lud uns ein, bei ihm zu sitzen, und wir waren sehr erfreut über seine Güte und Großherzigkeit. Nachdem wir seinen Segen empfangen hatten, kehrten wir wieder heim.

Während einer Meditation schien es Chandralekha plötzlich, als ob ein seltsamer Sturm die Türen und Fenster des Hauses erschütterte. Dann erschien ihr Mahaprabhuji in einem weißen Gewand. Einerseits glücklich, Gurudeva zu sehen, war sie andererseits doch auch erschrocken über die unerwartete Erscheinung. Da lächelte Mahaprabhuji ihr freundlich zu und sprach: 'Meine Tochter, beunruhige dich nicht, ich bin immer bei dir. Ich kam, um dir mitzuteilen, daß dein Leben auf Erden noch dreizehn Jahre währen wird. Aber auch deswegen brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Wenn du es wünschst, werde ich deine Lebensspanne verlängern.'

Chandralekha war sehr glücklich, Mahaprabhuji zu hören, und versuchte mich zu wecken, aber es gelang ihr nicht. Am nächsten Morgen erzählte sie mir ihre Vision in allen Einzelheiten. Ich war sehr erstaunt darüber und traurig, daß mir Mahaprabhujis Anblick vorenthalten war.

Von da an begann ich, mich vor Sehnsucht nach seinem Anblick zu verzehren. In Mahaprabhujis Biographie las ich über die große Bedeutung des Guru-Mantra und empfing am dreißigsten März 1980 von Paramhans Swami Maheshwaranandaji die Einweihung.

Im Mai 1980 besuchte unser verehrter Satguru Sri Madhavanandaji Europa. Bei dieser Gelegenheit wurde uns allen das Glück zuteil, seinen Segen zu empfangen.

Ich durchlebte gerade persönlich eine sehr schwierige Zeit und war wieder arbeitslos geworden. Von den Behörden wurden mir drei Bedingungen für meinen weiteren Aufenthalt in Österreich gestellt. Ich mußte: 1. die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten, 2. meinen akademischen Doktortitel nostrifizieren lassen und 3. mehrere Tests und Prüfungen bestehen. Ich konnte keine dieser drei Bedingungen erfüllen. Bei einem Besuch sagte Swamiji zu mir: "Dr. Saheb, du hast mit drei Problemen zu ringen. Ich habe zu Mahaprabhuji gebetet, er möge sie lösen und er sagte mir: 'Ich weiß alles, was Dr. Sheetal benötigt, und es wird erfüllt werden."

Ich war sehr erstaunt, denn ich hatte nie mit ihm über meine Probleme gesprochen. Dennoch hatte Swamiji in der Meditation davon erfahren und versicherte mir, daß durch Gurudevas Segen meine Schwierigkeiten bald gelöst sein würden.

Wo wir zu Gurudeva Zuflucht genommen hatten, begannen sich unsere Schwierigkeiten tatsächlich zu lösen. Einige Tage später erhielt ich einen eingeschriebenen Brief aus Zell am See. Er enthielt eine Anstellungszusage. Ich war darüber äußerst glücklich und wußte, daß das nur durch Mahaprabhujis Segen zustandegekommen war. Am siebzehnten Juli 1980 trat ich meine alte Stelle in Zell am See wieder an. Swami Maheshwaranandaji hatte auch vorhergesagt, daß ich die österreichische Staatsbürgerschaft bekommen würde. Diese Vorhersage erfüllte sich am dreißigsten Juli 1980.

Mahaprabhujis Barmherzigkeit ist unendlich. Diese Tatsache erlebte ich ganz unzweifelhaft bei der Augenoperation an einem Kind in der Augenklinik von Zell am See, bei der mir drei andere Chirurgen assistierten. Während der Operation begann das Auge zu bluten, und ich wußte nicht, wie ich die Blutung stillen sollte. Auch die assistierenden Ärzte wurden immer ratloser. Wir hatten bereist die Hoffnung aufgegeben und es schien uns sicher zu sein, daß das Kind sein Auge verlieren würde. Für einen Augenblick legte ich meine Instrumente weg und betete still zu Mahaprabhuji: "Herr, ich habe all meine ärztlichen Fähigkeiten eingesetzt, nun lege ich das Schicksal dieses Kindes in Deine Hände. Bitte, rette sein Auge."

Dann begann ich wieder mit meinen Versuchen, die Blutung zum Stillstand zu bringen. Da geschah ein Wunder. Durch ein wenig Druck auf einen bestimmten Punkt des Auges hörte die Blutung vollständig auf. Die Operation war gelungen, und das Kind erhielt sein volles Augenlicht wieder. Nur durch die Barmherzigkeit Mahaprabhujis war dies möglich geworden. Der Vorfall beeindruckte all meine Kollegen. Die Ärzte, die mir bei der Operation assistiert hatten, drängten mich, einen Artikel über diese von mir angewandte Technik und meine Erfahrungen damit zu schreiben. Ich lehnte dies ab, denn in meinem Inneren wußte ich ganz genau, daß es nicht der Erfolg meiner Technik, sondern ein Wunder Mahaprabhujis gewesen war.

Einmal reiste ich nach Puch bei Hallein zu einem Seminar von Swami Maheshwarananda. Nach dem Satsang mit Swamiji wollte ich mich auf die Heimfahrt machen und bemerkte zu meinem Schrecken, daß die Tankanzeige meines Wagens am Minimum stand. Die nächste Tankstelle lag vierzig Kilometer entfernt. Ich wußte, daß mein Wagen eine so große Entfernung nicht mehr schaffen würde. Swamiji erkannte mein Problem und ermutigte mich: "Denke an Mahaprabhuji und starte den Wagen. Du wirst sicherlich bis zur Tankstelle kommen." Ich folgte seinem Rat und betätigte den Anlasser - da beobachtete ich, wie der Tankanzeiger plötzlich hochstieg, als hätte jemand Benzin nachgefüllt. Bequem schaffte der Wagen daraufhin den Weg bis zur Tankstelle.

Auch später sind in meinem Leben noch viele Wunder durch Mahaprabhujis Segen geschehen.

Ein Vorfall hat sich so tief in mein Gedächtnis eingeprägt, daß ich ihn nie vergessen werde. Meine Tochter Purnima hatte unerträgliche Ohrenschmerzen. Ich konsultierte mehrere Spezialisten, doch konnte keiner ihr helfen. Schließlich beschlossen die Ärzte, sie am Ohr zu operieren. Als Purnima davon erfuhr, begann sie zu weinen und sagte zu mir: "Laß mich mit Swamiji reden." Ich rief Swamiji sofort im Ashram an. Nachdem er sich zuerst nach Purnimas Ohr erkundigt hatte, bat er mich, Purnima den Hörer zu übergeben. Das tat ich. Gott weiß, welche Worte Swami Maheshwarananda Purnima ins Ohr gesagt hat, die Schmerzen vergingen jedenfalls unmittelbar darauf. Bald danach verließ sie das Bett und lief hinaus zum Spielen.

Am nächsten Tag, als die Ärzte das Kind von seinem Leiden geheilt sahen, waren sie über das Wunder sehr erstaunt. Sie untersuchten das Ohr und fanden es vollständig gesund.

Es ist eine Tatsache, daß Mahaprabhujis Name von unbegrenzter Kraft und grenzenloser Wirkung ist.

Ich möchte noch von einem anderen Erlebnis berichten. Am sechsundzwanzigsten Jänner 1981 meditierte ich im Brahma Muhurta, um vier Uhr früh, über Mahaprabhuji. Da hatte ich eine Vision:Durch ein Fenster sah ich, wie eine Herde von Tieren, gefolgt von einer Schar blinder Frauen und Männer, auf mein Haus zukam.Zugleich hörte ich eine Stimme: "Sheetal, öffne die Türe, diene den Menschen, die in ihrer Unwissenheit den Tieren und den Blinden gleichen.Ich habe sie zu dir gebracht."

Es tut mir heute noch leid, daß ich nicht den Mut aufbringen konnte, die Türe zu öffnen. Als mir im Innersten meiner Seele bewußt wurde, daß Mahaprabhuji selbst mich darum gebeten hatte, bereute ich diesen Umstand noch mehr. Ich weinte und betete zu Mahaprabhuji: "Herr der Barmherzigkeit, verzeih mir und segne mich noch einmal mit Deinem Anblick!" Zwei Tage lang betete ich auf diese Weise zu Gurudeva. Am dritten Tag erschien mir Mahaprabhuji in der Meditation mit einem liebevollen Lächeln auf seinem leuchtenden Antlitz und sprach zu mir die trostreichen Worte: "Mein Sohn Sheetal, sorge dich nicht. Ich bin immer bei dir. Alle deine Wünsche werden in Erfüllung gehen." Nie werde ich den Ausdruck seines herzgewinnenden Gesichtes vergessen!

Um all die göttlichen Wunder, die Mahaprabhuji an mir wirkte, zu erzählen, fühle ich mich zu klein. Sie sind so zahllos, während ich so nichtig bin. All meine Schwierigkeiten wurden durch Mahaprabhujis Gnade und Swamijis Segen gelöst!

Im Winter 1980/81 weilte Swamiji zusammen mit mehreren europäischen Schülern in Indien. Als ich im Februar 1981 beruflich dorthin reisen mußte, um in Bombay an einem Kongreß über Augenheilkunde teilzunehmen, nahm ich mir vor, auch Satguru Swami Madhavanandaji einen Besuch abzustatten und Mahaprabhujis Samadhi aufzusuchen. Ich erreichte im März den Ashram von Jaipur. Dort führte ich zahlreiche Augenoperationen durch, unter anderem auch an der heiligen Mutter Swami Maheshwaranandas.

Wir besuchten auch Kailash, um den Ashram der Inkarnation Gott Shivas, Sri Devpuriji, zu sehen. Von dort aus reiste ich mit Swamiji und seinen Schülern nach Bari Khatu, um Sri Mahaprabhujis Samadhi zu besuchen. Das Abendgebet, der Gottesdienst und Satsang dort waren besonders eindrucksvoll. Danach sagte Swamiji, wir sollten uns auf die Dachterrasse zur Meditation begeben. Während ich meditierte, hatte ich eine einzigartige Erfahrung: Es war eine mondlose Nacht, doch ein einzelner Stern sandte einen so hellen Lichtstrahl aus, daß man unter ihm leicht hätte lesen und schreiben können. Sein Lichtstrahl traf nur das Ashramgebäude. Skeptiker mögen meine Worte vielleicht belächeln, doch ich habe dieses göttliche Wunder, das von Swamiji bewirkt worden war, mit meinen eigenen Augen gesehen.

Unmittelbar darauf kehrte ich nach Österreich zurück und fand bei meiner Ankunft den schon sehnlichst erwarteten Brief vor, in dem man mir die Zuerkennung des zur Eröffnung einer Praxis notwendigen akademischen Grades mitteilte: Durch Mahaprabhujis Gnade wurde ich als Spezialist für Augenheilkunde anerkannt.

Mein Herzenswunsch, den heiligen Auftrag Mahaprabhujis auszuführen, und Tausenden blinden und von Blindheit bedrohten Menschen das Augenlicht wieder zu schenken, wurde mir am achtundzwanzigsten Dezember 1983 erfüllt, als ich meine eigene Klinik eröffnen konnte. Ich erhielt seither zahlreiche Anerkennungs- und Dankschreiben, die den göttlichen Segen bezeugen, der über meiner Arbeit liegt.

In jedem Zimmer meines Hauses befinden sich Bilder von Mahaprabhuji, und wann immer ein Patient zu mir kommt, erzähle ich ihm, daß durch Mahaprabhujis Gnade und Barmherzigkeit - mag man an sie glauben oder nicht - sich auch scheinbar unmögliche Dinge verwirklichen können.

Einmal kam eine Dame zu mir, deren Sohn seit seiner Geburt aufgrund einer unheilbaren Krankheit blind war. Ich wußte, daß die Medizin für dieses Leiden keine Hilfe kennt, und so riet ich ihr, zu Mahaprabhuji um Hilfe zu beten. Sie tat es mit aller Hingabe, und wunderbarerweise war das Kind bald vollkommen geheilt und seine Augen wurden sehend. Das war nicht aufgrund meiner Behandlung geschehen, sondern durch die Gnade Mahaprabhujis.

Jeder, der das Glück hat, Mahaprabhujis Gnade zu empfangen, wird gerettet.

Bei meinem Besuch in Indien im Jahre 1979 hatte mich Paramhans Swami Madhavanandaji mit den Worten: "Du wirst einen hübschen Sohn haben", gesegnet. Dies verwirklichte sich, als am zwölften Februar 1982 unser Sohn Naresh geboren wurde. Er war erst ein Jahr alt, als er, vor dem Bildnis Mahaprabhujis stehend, seine ersten Worte sprach: "Jay, Jay!" (Sieg, Sieg!). Vielleicht wurde er gerade darum in unsere Familie geboren, um Sri Mahaprabhuji zu preisen. Dieses Kindes wegen fühlen wir uns nun noch stärker mit Gurudeva verbunden. Der Segen der Hingabe, der auf uns und unsere Kinder wirkt, ist das gnadenvolle Geschenk Paramhans Swami Maheshwaranandajis an uns. Ich bete immer zu Mahaprabhuji, in jedem meiner zukünftigen Leben sein Ergebener sein zu dürfen.

 

 

Briefe an Paramhans Sri Swami Madhavananda

 

Opava, 5.1.1975

Mein lieber großer Guru!

Mitte Dezember haben wir Swami Maheshwarananda eingeladen und alle haben seinen Besuch hier sehr genossen. Er hat uns viel über Dich und Deinen Guru Mahaprabhuji erzählt. An einem Abend hatte ich nach Swamijis Vortrag ein Erlebnis, von dem ich Dir - was Swamiji mir auftrug - berichten möchte.

In meiner Meditation hatte ich plötzlich das Gefühl, nicht mehr allein im Zimmer zu sein. Ein Mann mit einem bräunlich-orangenen Turban, in ein weißes Gewand gekleidet und mit einem Stock in der Hand, erschien und setzte sich in meiner nächsten Nähe nieder. Ich war nicht sicher, dachte mir aber, daß es Mahaprabhuji sei. Am nächsten Tag sprach ich mit Swami Maheshwarananda darüber und befragte ihn über das Gewand und den Stock, und er bestätigte mir, daß sich Mahaprabhuji wirklich so zu kleiden und mit einem Stock zu gehen pflegte.

Nun sehe ich seine Gestalt die ganze Zeit vor mir, aber auf andere Art als das erste Mal. Jetzt ist es mehr meine Phantasie oder meine Konzentration. Glaubst Du, daß meine Begegnung mit Mahaprabhuji nur meine eigene Einbildung gewesen ist? Ich möchte hinzufügen, daß ich Mahaprabhujis Gesicht einmal auf einem Foto sah, aber bisher nicht wußte, wie er sich kleidete, und daß er einen Stock zu tragen pflegte. Bitte, habe die Güte und schreibe mir Dein Urteil über meine Erfahrung, und ob es wirklich Dein Guru Mahaprabhuji war.

Ich denke sehr viel an Dich, und wir alle freuen uns auf Deinen Besuch bei uns.

Vielen Dank im voraus für Deine große Güte und für die Beantwortung dieses Briefes.

 

Ich verbleibe Dein treuer Ladislav Dohnal

 

 

Gesegneter Atma
Geliebter und verehrter Holy Guruji!
Paramhans Swami Madhavanandaji,

In diesen Tagen hat Swamiji Maheshwarananda unser Land verlassen, das er für sechs Wochen besuchte. Während dieser Zeit haben wir Deinen lieben Brief erhalten, für den wir uns demütig bedanken. Durch Pflichten im Zusammenhang mit Swamijis Besuch verhindert, fand ich keine Zeit, Dir früher zu antworten, denn ich kann Dir, wenn ich in Eile bin, unmöglich schreiben. Daher sende ich Dir erst jetzt meine Antwort. Und - last not least - ich möchte Dir einen kurzen Bericht von Swamijis Besuch geben.

Was uns Swamiji innerhalb von sechs Wochen lehrte, ist eine unglaubliche Leistung. Er unterrichtete uns sehr intensiv und zeigte uns, was wirkliches Yogaleben ist. Ich achte seine göttliche Natur zutiefst und bin mir der wahren Bedeutung dessen bewußt, was es heißt, sich vor dem Göttlichen niederzubeugen. Diese sechs Wochen waren ein großes Ereignis und ein wunderbarer Erfolg. Die Leute in unserem Land lieben und bewundern Swamiji und zollen ihm den größten Respekt. Ich kann beobachten, wie sein Ruhm von Besuch zu Besuch wächst. Du hast sicher recht, wenn Du erwähnst, daß ich durch Swamijis Gnade Fortschritte gemacht habe. Aber bitte, erlaube mir, in meinem Herzen auch einen Platz der Verehrung für Dich zu behalten. Du bist der Pfeiler, zu dem ich aufschaue und auf den ich mich verlasse.

Swamiji lehrt uns auf wunderbare Art und Weise. Durch seine Lehre und sein Beispiel erfahren wir, wie wir beten sollen, wie das Mantra benützen, was Bhakti und die Liebe zu Mahaprabhuji bedeuten, und daß wir uns in unserem Leben, und um Yoga wirklich und buchstäblich zu genießen, auf ihn verlassen sollten. All das hat wie eine Erleuchtung gewirkt. Seine immense Lichtflut strömte über uns alle. Die Menschen scheinen wie aus einem langen und schweren Traum aufgewacht zu sein. Durch seine Kraft wurde unser Verständnis emporgehoben und ich kann Dir, lieber Holy Guruji, gar nicht genug dafür danken, daß Du Swamiji nach Europa gesandt hast. Unser Leben wurde durch ihn erfüllt. Nun gibt es in uns keinen Platz mehr für Angst, Einsamkeit oder Hilflosigkeit, ohne Guru, ohne Gottes Gnade.

Ich bin von Deinem liebevollen, väterlichen Brief tief berührt. Ich weiß, was für eine große Gnade und Ehre es ist, in Demut sich zu den Füßen des Guru zu verbeugen. Ich verneige mich vor Dir, geheiligt durch die Liebe Deiner Heiligkeit.Niemand kann die unendliche Größe der Gnade des Guru ermessen. Meine demütige Verehrung zu Dir wächst und reift mit der Zeit immer mehr.

Den Gurupurnima-Tag feierte ich alleine in meinem Landhaus. An diesem Tage widmete ich Dir, mein geliebter Guruji, geistig meine Gebete und legte die schönsten Rosen aus dem Garten vor Dein Bild. Bitte nimm zumindest ein paar Blütenblätter an. Jeder Satz, jedes Wort Deines wunderbaren Briefes bedeutet für mich einen wertvollen Schatz und treibt mich zu noch eifrigerer Selbsthingabe an. Ich danke Dir von Herzen für Deine Briefe, die ich der ganzen Gruppe vorlese. Auf diese Weise können sie mit mir das Glück teilen und Deine Worte hören.

 

In Liebe und Ergebenheit
Ramanand (Rolf Skarnizel, CR)

 

 

 

Nachwort der englischen Übersetzerin der 1. Auflage von Mahaprabhujis Biographie

(erschienen unter dem Titel: "Living Light", Jaipur 1982)

 

Zu Beginn möchte ich gleich richtigstellen, daß ich mich nur mangels eines besseren Ausdruckes "Übersetzerin" nenne. Eigentlich habe ich gar nichts übersetzt, sondern nur niedergeschrieben und formuliert. Der wirkliche Übersetzer des "Lebenden Lichtes" ist Paramhans Swami Maheshwarananda - den wir kurz "Swamiji" nennen -, und alles, was ich zu tun hatte, war, seine lebensnahe und anschauliche mündliche Übersetzung in eine wahrscheinlich etwas weniger lebendige schriftliche Darstellung zu übertragen. Dieses Projekt war schon seit langem geplant gewesen; lange bevor mein Mann und ich Swamiji und den Sri Deep Madhavananda Ashram in Wien auf unserer Suche nach einem Yogalehrer entdeckten. Wir erfuhren bald, daß Swamiji jemanden suchte, der eine Kurzfassung von Mahaprabhujis Leben niederschreiben könnte, um sie seinen europäischen Schülern, die mehr über sein geistiges Erbe erfahren wollten, geben zu können. Ich sagte voll Freude meine Mithilfe zu, und aus dem kleinen Projekt wuchs nach und nach das größere der vollständigen Übersetzung heran. So kam es, daß wir uns kaum ein Jahr, nachdem wir die freundlichen Räume des Wiener Ashrams zum ersten Mal betreten hatten, in Indien wiederfanden, wo wir uns drei Monate lang der vollständigen Überarbeitung und Übersetzung der Hindi-Biographie von Mahaprabhuji ins Englische widmeten. Swamiji war der Meinung gewesen, daß ich für den Geist dieses Buches und die Geschehnisse, die darin berichtet werden, empfänglicher sei, wenn ich die Stätten des Lebens und Wirkens von Mahaprabhuji selbst sähe. Wir hofften außerdem, daß Swamiji hier mehr Zeit haben würde als in Wien, wo er vielen Verpflichtungen nachkommen muß und wo immer wieder Ratsuchende seine Zeit in Anspruch nehmen. Diese Hoffnung sollte sich jedoch nicht erfüllen. Die meiste Zeit verbrachten wir im Sri Deep Ashram zu Jaipur, dem Ashram, in dem sich Holy Guruji (Paramhans Swami Madhavananda) meistens aufhält. Wir kamen dort mitten im Winter an, das Wetter war also sehr angenehm. In der Nacht war es kühl, und am Tag war es nicht wärmer als zwanzig Grad. Swamiji und ich saßen meist im Garten des Ashram unter einem Baum. Er übersetzte direkt von der Hindi-Biographie Mahaprabhujis, die Holy Guruji verfaßt hatte , und ich protokollierte. Später schrieb ich den Text ins Reine und mein Mann Georg tippte das Manuskript auf der Schreibmaschine. Er wurde im Laufe der Zeit außerordentlich geschickt darin, mit gekreuzten Beinen auf dem Boden zu sitzen. Vor ihm stand die Schreibmaschine auf einem hölzernen Harmoniumkasten. Swamiji und ich hatten die zwei einzigen Stühle im Ashram in Beschlag genommen.

Im Februar, dem zweiten Monat unseres Aufenthaltes, begann es Frühling zu werden, und wir bekamen nun die weniger freundliche Seite der Wüste zu spüren. Die Sonne wurde heiß und sengend, und wir übersiedelten mit unserer Arbeit in Swamijis Zimmer. Hier hatten wir wenigstens ein Dach zwischen uns und der Sonne und ein Fliegengitter am Fenster.

Ich bin sehr dankbar, daß ich Gelegenheit hatte, mich in Indien aufzuhalten. Ich kann gar nicht alle Eindrücke wiedergeben, die ich dort gewonnen habe, denn dies würde ein weiteres Buch füllen. Von einigen möchte ich aber gerne berichten, weil ich sie für wichtig halte.

Wir besuchten unter anderem Mahaprabhujis Ashram in Bari Khatu, wo er die meiste Zeit seines Lebens verbracht hat. Es ist der friedlichste und ruhigste Ort, den ich jemals kennengelernt habe, und hier fühlte ich die Anwesenheit Mahaprabhujis am deutlichsten. Ich weiß, daß er überall ist, doch mein Geist ist durch die täglichen Eindrücke überladen und abgelenkt, so daß ich ihn nicht immer fühlen kann. Draußen in der Wüste jedoch, mehrere Kilometer von der nächsten Ortschaft entfernt, wo es keine Straßen, kein elektrisches Licht, kein Telefon, wirklich keine Ablenkung gibt, wird die Atmosphäre dieses Ortes besonders stark spürbar. Die bloße Anwesenheit dort war eine tiefere Meditation, als ich sie jemals früher erlebt hatte.

Ein anderer Ausflug brachte uns zum Ashram von Mahaprabhujis Guru, Sri Devpuriji. Hier sind noch die Spuren des zerstörten ersten Stockwerkes sichtbar, das unter Sri Devpurijis feurigem Blick eingestürzt war. Aus dem Fußboden, der nun das Dach bildet, wächst sogar ein Baum heraus, der mir einen passenden Schlußstrich unter diese Geschichte zu bilden scheint.

 

An diesem Tag waren wir im Dorf zum Essen eingeladen worden. Als sich die Nachricht von Swamijis Ankunft herumsprach, strömten viele Menschen herbei, ihn zu sehen. Es kam auch eine alte Frau, die die Mutter des Babys gewesen war, das Sri Devpuriji vor fast einem halben Jahrhundert wieder zum Leben erweckt hatte. Auf meine Bitte hin erzählte sie die Geschichte noch einmal, und Swamiji übersetzt sie für mich. Ich wünschte, alle Leser hätten diesen Beweis für die Wahrheit der berichteten Begebenheit hören können!

Ich erinnere mich an noch einen Vorfall. Wir mieteten einen kleinen Bus, mit dem wir durch einige Orte fuhren, um Schulen und verschiedene Ashrams zu besuchen. Als wir wieder einmal auf der holperigen Schotterstraße dahinrumpelten, blieb der Bus plötzlich stehen. Es stellte sich heraus, daß der Fahrer zu tanken vergessen hatte, so daß wir nun mitten in der Wüste dastanden und nicht weiterwußten. Zuerst versuchten wir, den Bus zu schieben, doch in der glühenden Hitze schwanden unsere Kräfte schnell. Wir erreichten jedoch wenigstens eine Art Kreuzung zwischen unserer Route und einer etwas größeren Piste. Hier warteten wir, daß jemand vorbeikäme, doch vergebens. So schoben wir den Bus wieder ein Stück weiter, mußten jedoch schließlich vor einer Anhöhe aufgeben, die zu steil für uns war. Ich begann mir nun ernstlich Sorgen zu machen. Wir hatten kein Wasser, und das konnte sehr unangenehm werden. Ich hatte das Gefühl, daß wir hier einige Tage sitzen könnten, bevor endlich jemand vorbeikäme. Da erschien wie aus dem Nichts ein Traktor mit einem Anhänger voll indischer Frauen in bunten Saris, die auf einem Feld gearbeitet hatten. Der Traktor blieb stehen und Swamiji ging hin. Plötzlich gab es eine laute Begrüßung, alle lachten und umarmten einander. Der Traktorfahrer war niemand anderer als der Sohn von Laka Ramji, einem Ergebenen Mahaprabhujis, der diesen einmal zu sich ins Dorf eingeladen hatte. Sein Sohn bemühte sich sofort in rührender Weise darum, uns zu helfen. Er versuchte, uns aus seinem Traktor etwas Treibstoff zu verschaffen, was nicht ganz einfach war, weil wir keine dafür geeigneten Geräte hatten. Doch irgendwie schaffte er es, in eine Plastikflasche ein wenig Diesel einzufüllen und es in unseren Tank zu gießen. Etwa eine Stunde später setzten wir jedenfalls - soll ich es ein Wunder nennen? - unseren Weg fort.

Die Reise nach Indien war für mich ein Ausflug in eine völlig neue Welt und in eine Realität, die ich kaum erfassen konnte. Auch ich bin der Meinung, daß es sehr große Unterschiede zwischen Indern einerseits, Europäern und Amerikanern andererseits gibt. Können wir da erwarten, daß die Lehren eines indischen Heiligen auch für uns, die wir einem ganz anderen Kulturkreis angehören, von Bedeutung sind? Bevor man darauf Antwort gibt, muß man unter die Oberfläche sehen, und in die Tiefe zu der Ebene der Erfahrungen tauchen, die jenseits solcher Unterschiede liegt. Diese existiert wirklich, und manchmal gelingt es uns sogar, auf dieser Ebene der Erfahrungen zu kommunizieren.

Wenn ihr heute nach Indien geht und Mahaprabhuji dort sucht, werdet ihr ihn nicht finden, denn er hat bereits vor mehr als zwanzig Jahren diese Welt verlassen. Wenn ihr euer Haar abschneidet, orangene Gewänder anlegt und euch Sannyasi nennt, werdet ihr ihm dadurch nicht näher kommen. Wenn ihr euch ohne Anleitung in das Studium der Hindu-Philosophie vertieft, verliert ihr dabei höchstens den Geist des wahren Verlangens, der euch zum Schatzhaus von Gurudevas Segnungen führen kann. Wie er selbst gesagt hat, ist Gott nicht im Himalaya und nicht in den Büchern der Gelehrten zu finden, sondern nur in den Herzen der Menschen, und dort müßt ihr ihn suchen.

Ich hoffe, dieses Buch verhilft euch zu Erweiterung eures Wissens und inspiriert euch bei der Suche nach eurem wahren Selbst. Nun, da ihr eine der heiligen Inkarnationen Gottes, Sri Mahaprabhuji, aus der Erzählung kennt, hoffe ich, daß ihr sein Licht in eurem Inneren erwecken möget, denn dort lebt er, und dort könnt ihr ihn finden.

 

Deborah Palmer-Schober (USA)

  


 

Voriges Kapitel: Die Goldenen Lehren von Sri Mahaprabhuji

 

 

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