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Meine Suche nach Gott

Gesegnetes Selbst, lieber Leser! Als Autor dieses Buches möchte ich auch über meine persönlichen Erfahrungen mit Mahaprabhuji berichten und über die vielen Wunder, die ich mit eigenen Augen sehen durfte. War doch die Zeit, die ich an der Seite Mahaprabhujis verbringen konnte, die schönste und kostbarste meines Lebens!

Karna[1] stellte sich einst mit den folgenden Worten vor:

"Die Umstände meiner Geburt - Stand, Hautfarbe und Familie - wurden vom Schicksal bestimmt; über meine Taten jedoch kann ich selbst bestimmen. Mit ihnen gestalte ich meine Zukunft, und es liegt in meiner Macht, meine Ziele festzulegen. Deshalb soll nur das, was ich vollbracht habe, meiner Person zur Empfehlung dienen."

Ein Swami empfiehlt sich mit all dem, womit er anderen dienen und hilfreich sein kann: mit seiner spirituellen Kraft, seiner Bhakti, der Hingabe zu Gott, und seiner Verwirklichung  auf dem Yogaweg. Daher wäre es mir natürlich lieber, ihr könntet euch persönlich ein Bild von mir machen. Doch da wir einander hier nur über das geschriebene Wort begegnen, werde ich jetzt einiges aus meiner Kindheit und über meine Entwicklung berichten.

Ich wurde in Nipal (Distr. Pali, Rajasthan) am 11. September 1923 geboren und erhielt den Namen Tekchanda Garg.

Mein Vater war der Pandit Sri Lalchandji Garg, ein gelernter Astrologe und demütiger Verehrer von Gott Shiva und Gott Rama. Sein Leben glich dem eines Brahmarishi[2].

Meine Mutter, Srimati Sarasvati Devi Garg, war von überaus reiner Wesensart. In ihrer Güte hätte sie wie Mahaprabhujis heilige Mutter lieber selbst gehungert, als jemanden mit leeren Händen von ihrer Tür weggehen zu lassen.

Seit ihrer Kindheit war sie Gott Krishna besonders ergeben. Zu meinen frühesten Erinnerungen gehört, wie meine Mutter uns Kindern (wir waren sechs Geschwister) Geschichten über ihn erzählte.

Immer wieder kam sie darauf zurück, daß Bhakti wichtiger sei als das Leben selbst:

"Gebt niemals euren Glauben auf. Haltet euch immer an Gott. In dieser Welt lebt in Harmonie miteinander, und verwirklicht Gott. Er hat uns das Leben gegeben, damit wir es in Hingabe und Liebe für alle leben und nicht, um es mit nutzlosen Dingen zu verschwenden. Hilfsbedürftigen beizustehen ist der oberste Leitsatz der Religion."

Die ersten Gurus des Kindes sind seine Eltern, die dessen Charakter für die Zukunft formen. In meiner Familie lebte vor fünf Generationen Ami Chandji, ein großer Karma-Yogi, von dem uns meine Mutter oft erzählte. Ein Siddha war er, einer, der Siddhis und Wunderkräfte besitzt, und meine Mutter betonte immer, daß all seine Kräfte die Frucht harter Anstrengung waren. Alle Inder kennen das Sprichwort: "Arbeit ist Gottesdienst." Meine Mutter glaubte das von ganzem Herzen.

Ami Chandji war ein bekannter Mann und beeindruckte viele durch seine Wunderkräfte. Die Zukunft konnte er unfehlbar voraussagen. Der Maharaja von Ganerav, dem seine Fähigkeiten imponierten, schenkte ihm gar ein großes Landgut, das heute noch im Besitz unserer Familie ist. Einmal überließ er ihm einen Elefanten, den Ami Chandji an den Sohn eines Freundes anläßlich dessen Hochzeit weiterschenkte. Dies war bezeichnend für seine selbstlose Natur. Er führte ein spirituelles Leben und als fortgeschrittener Yogi verließ er die Welt in Samadhi.

Von frühester Kindheit an fühlte ich mich ganz besonders zu Gott Krishna hingezogen. Ich weinte sogar in meinem grenzenlosen Verlangen, ihn zu sehen.

Als ich zur Schule ging, war dies eine harte Zeit für mich; ich konnte mich nicht auf den Unterricht konzentrieren, da meine Gedanken stets bei Gott Krishna weilten. Mein geliebter Vater glaubte, ich wollte nur die Dorfschule nicht besuchen, und sandte mich daraufhin zu meiner älteren Schwester nach Rupawas, wo ein Sanskrit-Gelehrter lebte. Dieser hieß Sri Gisa Ramji Ghanchi und war ein tief religiöser Mann, der streng seinen Glauben und seine Prinzipien lebte. Mit viel Liebe unterrichtete er mich nun. Auch meine Schwester Srimati Phuldeviji und mein Schwager Sri Krishna Ramji sorgten liebevoll für mich.

Ich blieb einige Jahre bei ihnen, aber meine Schulleistungen ließen nach wie vor zu wünschen übrig.

So kehrte ich schließlich nach Nipal zurück und begann, täglich die Bhagavad Gita zu lesen und zu studieren. Ich pflegte zu Surya, dem Gott der Sonne, und zu Durga Mata, der Heiligen Mutter zu beten (ihr zu Ehren hielt ich Navrati, ein neuntägiges Fasten in jedem Jahr). Doch am intensivsten waren meine Gebete zu Gott Krishna, die ich darauf richtete, seine Gnade zu erfahren, daß er mir in meiner Meditation erschiene. Bittere Tränen weinte ich, weil ich ihn so sehr liebte und doch zugleich unfähig war, ihn zu sehen! In solchen Momenten vernahm ich oft eine innere Stimme, die da sprach:

"Sei getrost, Gott wird zu dir kommen."

Eines Tages betete ich wieder aus tiefster Seele zu Gott Krishna:

"Oh Krishna, mein geliebter Gott! Ich habe Dein heiliges Versprechen in mir vernommen. Wie lange muß ich noch warten? Wann werde ich Dich sehen - wann?"

Da erschien in einer Vision die strahlende Gestalt des Gottes vor mir, und er sprach:

"In dreieinhalb Monaten um zehn Uhr abends wirst du mir begegnen und mich mit eigenen Augen sehen. Sei gewiß."

Die Erscheinung war verschwunden und ließ mich in einem überirdischen Gefühl der Geborgenheit zurück - Gott selbst sorgte für mich, das wußte ich nun.

Einige Zeit später bei einem Besuch in unserem Nachbardorf Keshersinghji Guda, im Hause von Thakur Ragunath Singhji, einem Freunde unserer Familie, der selbst ein ergebener Schüler Mahaprabhujis war, lernte ich einen anderen von Mahaprabhujis Schülern, Swami Sri Bodhanandji Maharaj, kennen. Dieser war ein Mann von umfassendem Wissen und tiefer Weisheit. Er beeindruckte mich durch seine Worte und ganz besonders mit seinem schönen Gesang. Von seinem Satsang stark angezogen entschloß ich mich, ihn täglich zu besuchen. Meine Eltern waren darüber nicht erfreut, und so schlich ich mich von nun an heimlich fort, wenn sie bereits schliefen, und lief die drei Kilometer zum Haus des Thakur.

Der Weg führte durch einen Dschungel, von dem man sagte, es gäbe dort Gespenster und Geister. Um die Wahrheit zu sagen - nie sah ich solch ein Wesen, doch fragte ich Swami Bodhanandji danach, der sagte: "Gespenster sind nur eine Vorspiegelung des Geistes, der die Wirklichkeit noch nicht erkannt hat."

Dazu gibt es eine sehr anschauliche Geschichte:

In einem Dorf lebte ein Bauer, der zwei Häuser besaß, eines in der Ortsmitte und ein Landhaus am Rande der Ortschaft. Es sprach sich herum, daß im Landhaus ein Geist lebe, und die Leute fürchteten sich, nachts daran vorbeizugehen. Eines Tages gab der Bauer ein großes Fest, zu dem viele Freunde und Verwandte kamen, die sich alle bis auf einen Mann im Dorfhaus unterbringen ließen.

Als jener nach dem Fest zum Landhaus ging, kamen ihm plötzlich die Erzählungen der Dorfbewohner von dem dort umgehenden Geist in den Sinn, und die Furcht ergriff Besitz von ihm. Je näher er dem Hause kam, desto unheimlicher wurde ihm zumute. Angekommen, hielt er nach allen Seiten ängstlich Ausschau, trat sodann schnell in das Haus hinaus und verriegelte umgehend Fenster und Türen. Darauf nahm er sich eine Decke, überzog den in einer Ecke des Raum stehenden Kamin mit einem Laken und legte sich schlafen. Er zog sich die Decke über den Kopf, doch die Angst, es könnte trotz all seiner Vorsichtsmaßnahmen irgendwo ein Gespenst erscheinen, ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. So hob er von Zeit zu Zeit die Decke ein wenig an und starrte verschreckt in die Dunkelheit.

Schließlich ging der Mond auf, und sein Licht schien auf den Kamin. Da sah der Mann den Geist! Er fürchtete sich so sehr, daß er wie gelähmt liegen blieb. Auf seine lauten Hilferufe hin eilten die Nachbarn herbei, die jedoch weder Tür noch Fenster öffnen konnten, da ja alles von innen verriegelt war. Also riefen sie dem Mann zu, er solle aufmachen. Dieser aber gab zurück, er könne sich nicht erheben, denn der Geist sitze auf seiner Brust und versuche, ihn zu erwürgen. Schließlich brachen einige beherzte Männer ein Fenster auf und stürzten ins Zimmer. Im gleichen Augenblick gelang es dem Mann, aus dem Bett zu springen, die Türe zu öffnen und hinauszulaufen. Sofort flüchteten die anderen hinter ihm her. Alle riefen: "Wo ist der Geist?"

Zitternd zeigte der Mann in die Richtung, wo der Kamin stand, und alle gewahrten die Gestalt eines Geistes und waren von großer Furcht erfaßt.

Sie versuchten alles Erdenkliche: einer holte geweihtes Wasser, ein anderer lief, einen Priester zu holen - der Geist aber stand unbeweglich in der Ecke und rührte sich nicht. Auch als es bereits dämmerte, wagte immer noch keiner, das Haus zu betreten.

Da tauchte ein Mann auf, der nicht an Gespenster glaubte. Die Leute wollten ihn entsetzt zurückhalten, doch der zündete eine Kerze an und ging kurzerhand in das Zimmer hinein. Er öffnete die Fensterläden - und im Lichte des Tages erkannten nun alle, daß der "Geist" lediglich ein Kamin war, mit einem Laken verhüllt, das der Mann, wie er sich nun beschämt erinnerte, selbst darübergebreitet hatte.

Was das für ein Gespenst war? Woher es kam, und wohin es entschwand? Und woher die Furcht rührte, die alle zittern machte, wohin sie  ging?

Darauf kann es nur eine Antwort geben: Das eigene Bewußtsein schuf mittels einer irrigen Vorspiegelung die Gestalt eines Geistes, die ausschließlich dem Reiche der Illusion angehörte. Furcht tritt auf, wo Unwissenheit ist. Wissen kennt keine Furcht. In dem Augenblick, als das Licht des Wissens im Dunkel der Unwissenheit entzündet wurde, verschwand sowohl der Geist als auch die Angst.

Swami Bodhanandji erklärte:

"Die Ursache aller Probleme und Leiden sind irrtümliche und ungute Vorstellungen. Wahres Wissen kannst du nur durch einen göttlichen Meister erlangen, dem zu begegnen eine Gottesgnade ist. Aber selbst dann erkennen nur wenige den Meister als den, der er in Wahrheit ist."

Begierig lauschte ich den Worten über den göttlichen Meister, der Unwissenheit und Illusion vertreiben kann. Darauf erzählte mir Ragunath Singhji mehr von seinem Meister Mahaprabhuji:

"Mein göttlicher Guru, der wie Gott Vishnu selbst ist, ist Sri Mahaprabhuji, der Befreier der Seelen. Durch seinen Segen ist es möglich, das Göttliche Selbst nicht erst nach vielen Jahren oder Leben zu erfahren, sondern augenblicklich, wenn er es so will. Suchst du wirklich einen Meister, so suche ihn auf."


[1]Karna, Sohn des Sonnengottes Surya und der Prinzessin Kunti, ein Held des Mahabharata

[2]Brahmarishi = "Kenner des Brahman", Gottverwirklichter

 

Nächstes Kapitel: Begegnung mit Sri Mahaprabhuji

Voriges Kapitel: Sri Devpurijis Mahasamadhi

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