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Der Weg der Hingabe

Am nächsten Tag kehrten die beiden göttlichen Seelen als Meister und Schüler in das Tal ihrer Begegnung zurück, wo Sri Devpuriji Mahaprabhuji in die heiligen Lehren des Yoga einweihte.

Eines Tages, als sich eine große Menschenmenge vor ihrem Lager versammelt hatte, wies Sri Devpuriji Mahaprabhuji an, Prasad zu bringen. Mahaprabhuji gehorchte und reichte ihm mit der rechten Hand die Gabe dar. Sri Devpuriji nahm das Prasad an, hielt jedoch unvermittelt die Hand seines Schülers fest, um ihr mit einem Messer mehrere tiefe Schnitte zu versetzen. Fassungslos hielten die Anwesenden den Atem an. Mahaprabhuji jedoch zeigte keinerlei Regungen von Angst oder Schmerz und verband ruhig die verwundete Hand.

Am folgenden Tag ließ sein Meister ihn wieder Prasad bringen, welches Mahaprabhuji ihm diesmal mit der linken Hand darreichte. Und wiederum nahm Sri Devpuriji ein Messer und fügte ihm, zum Entsetzen aller, auch an dieser Hand tiefe Wunden zu. Mahaprabhujis Miene blieb dabei unverändert heiter und friedvoll. Da sprach Sri Devpuriji lächelnd:

"Deep! Indem ich in Deine Hände schnitt, habe ich sie im Übermaß an Energie bereichert. Wer von deinen Händen Segen empfängt, wird augenblicklich aus Angst, Not und Trübsal der Welt befreit und erfüllt von Frieden und Glückseligkeit."

Mahaprabhuji verbeugte sich und antwortete: "Heiliger Meister! Was immer von Dir kommt, das bedeutet Segen."

Am dritten Tage verlangte Sri Devpuriji wiederum Prasad, und als Mahaprabhuji demütig die Gabe darbrachte, fragte Sri Devpuriji:

"Deep, hast Du Angst?"

Mahaprabhuji antwortete:

"Nein, heiliger Meister, ich kenne keine Furcht. Warum sollte ich mich ängstigen, wo Du bei mir bist?"

Sri Devpuriji war zufrieden und fragte Mahaprabhuji nach seinem größten Wunsch.

"Mein größter Wunsch, heiliger Meister, ist allgegenwärtiges Licht. Mögen alle Ergebenen durch Deine Gnade die Erkenntnis ihres wahren Selbst erlangen und Dich in beiden Formen - in Sarguna und Nirguna  - immerwährend und allumfassend im Bewußtsein tragen."

Da erhob sich Sri Devpuriji, nahm seinen Speer und stieß ihn Mahaprabhuji in den Rücken, durchbohrte dessen Wirbelsäule, und das Blut floß in Strömen. Mahaprabhuji stand unbewegt da - sein Antlitz erstrahlte in überirdischem Licht. Sein Meister segnete ihn und sprach:

"Du bist das Licht des Universums. Wie das Licht der Sonne die Erde erhellt, erleuchtet Dein Glanz die gesamte Schöpfung. So mögest Du die Flamme der geistigen Erkenntnis in all jenen Seelen entzünden, die durch Täuschung und Anhaftung an diese Welt der Maya gefesselt sind."

Er zog den Speer aus der klaffenden Wunde, verbrannte etwas Stoff und gab die Asche darauf, worauf die Blutung sofort gestillt war und die Wunde sich schloß.

Nach diesem Tage entfernte sich Sri Devpuriji und ging in die Einsamkeit der Berge. Mahaprabhuji blieb zurück in Erwartung seines Meisters und meditierte über den unermeßlichen Segen, der ihm zugekommen war. Seine Wunden verursachten ihm keinerlei Schmerzen und heilten unglaublich schnell. Die Narben davon jedoch behielt er sein ganzes Leben lang - für alle Gläubigen sichtbares Zeichen dessen, was er bereitwillig auf sich genommen hatte, und gleichzeitig allen Erinnerung daran, daß vollkommene Hingabe und restloses Vertrauen in Gott nur Segens bewirken kann.



[1]sarguna = in Gestalt, nirguna = gestaltlos 

 

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