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Mahaprabhujis Reise durch den Bezirk Pali

Mahaprabhuji_280previewNach seiner Rückkehr von Pushkar nach Khatu suchte Mahaprabhuji nicht sofort seinen Ashram auf, sondern verweilte einige Zeit außerhalb des Dorfes im Sri Deep Narayan Bhagichi, wo er morgens und abends unter einem riesigen grünen Banyanbaum Satsang hielt.

Während dieser Zeit besuchte ihn auch Sri Swami Shankar Puriji aus Bola Guda. Dieser wurde von Sri Revat Singh wärmstens empfangen, der stets erfreut war über eine Gelegenheit, Gespräche über spirituelle Themen führen zu können. Da eröffnete ihm der Swami, warum er gekommen war. Er wollte Mahaprabhuji einladen, den Bezirk Pali zu besuchen und dabei im Ashram zu Bola Guda zu wohnen. Der Thakur war nicht gerade erfreut über die Trennung von Mahaprabhuji, aber Swami Shankar Puriji sagte:

"Du weißt, daß Gurudeva stets überall ist. Immer wenn du an ihn denkst, ist er bei dir. Außerdem", fügte er hinzu, "solltest du nicht selbstsüchtig sein. Auch wir wünschen den Segen seiner Anwesenheit."

So trug Swami Shankar Puriji seine Bitte Mahaprabhuji vor, und dieser entsprach dem Wunsch seiner Ergebenen.

Mahaprabhujis Abschied von Khatu gestaltete sich sehr festlich. Einige seiner Schüler hatten einen Sonderzug für ihn geordert, in dem er mit seinen Begleitern reiste. Die erste Station der Reise war Jodhpur, wo er feierlich empfangen wurde. Von seinen Ergebenen wurde er zum Umed Palast, der Residenz des Maharaja, geleitet, um für eine Woche in der Stadt zu bleiben. Dann mußte man ihn, wenn auch widerstrebend, gehen lassen. Er bestieg wieder denselben Zug, und sie fuhren bis zur Somesar Western Railway Station, die ungefähr zehn Kilometer von Bola Guda entfernt liegt. Von dort legte er den Rest der Reise zu Fuß zurück.

Die Einwohner der umliegenden Dörfer waren voll Freude ob der Anwesenheit Sri Mahaprabhujis. Täglich strömten sie herbei, um seinen Darshan, seinen Segen, zu empfangen. Unter ihnen waren auch viele Swamis und Yogis. Oft kamen täglich vier- bis fünfhundert Menschen, die seine Begegnung suchten. Der Herrscher der Region, Sri Ram Singhji, stellte die Unterkünfte, und alle Einwohner von Bola Guda halfen mit, die Gäste zu betreuen.

Während der Satsangs bot Mahaprabhuji viele wundervolle Bhajans, aus der Tiefe seiner Seele strömend, dar. Der Neffe von Ram Singhji, ein junger Mann namens Kishan Singh, der Mahaprabhuji sehr verehrte, saß immer an seiner Seite und schrieb all die Verse auf. Sein Verdienst allein ist es, daß uns die Gesänge Mahaprabhujis aus dieser Zeit erhalten geblieben sind.

Abgesandte aus allen Ortschaften trafen ein, und sie beschlossen, ihn zu bitten, in jedem Ort eine gewisse Zeit zu verweilen. Sie wollten für ihn eine festliche Prozession durch den ganzen Landstrich ermöglichen. Die Ersten, die ihre Einladung an Mahaprabhuji herantrugen, waren Rajput Sri Sultan Singh von Gendari und Sri Shankarlalji. Mahaprabhujis liebendes Herz schlug ihnen die Bitte nicht ab.

 

Wunder an Srimati Radhadeviji

MahaprabhujiBhaktis

Unter der Leitung von Sri Sultan Singh schmückten die Einwohner von Gendari ihren Ort für den Empfang Mahaprabhujis aufs festlichste. Alle Häuser wurden frisch gestrichen und die Fassaden mit bunten Blumen, Elefanten, Vögeln und Symbolen aus heiligen Erzählungen bemalt. Sie empfingen Mahaprabhuji mit großer Feierlichkeit, und auf seinem Weg in den Ort waren Teppiche ausgebreitet.

Tag für Tag lauschten sie Mahaprabhujis Goldenen Lehren, gleich wie "die Hansas Perlen schlucken", wie ein indisches Sprichwort sagt.[1] Fast alle Bewohner des Ortes erhielten die Mantraweihe, und Mahaprabhuji teilte großen Reichtum an Segnungen aus.

Sri Sultan Singh und seine Frau Srimati Radhadevi verehrten Mahaprabhuji tief und demütig. Als er sich zum Satsang in ihrem Haus aufhielt, bat er Srimati Radhadevi, ein Gedicht aus einem Bhajanbuch vorzulesen. Radhadeviji faltete entschuldigend die Hände und sagte leise:

"Herr, ich bedauere es sehr, aber ich kann weder lesen noch schreiben. Die Buchstaben in diesem Buch sind leider ein Geheimnis für mich."

Mahaprabhuji fragte sie:

"Was würdest du tun, wenn du lesen könntest?"

"All Deine Bücher und Bhajans würde ich lesen!" erwiderte sie.

Da reichte Mahaprabhuji ihr seine Gita mit den Worten:

"Ich segne dich, auf daß du von nun an meine Bücher lesen kannst. Öffne dieses Buch und lies nun vor!"

In vollem Vertrauen in Gurudevas Worte nahm Radhadeviji das Buch als Prasad aus seinen Händen, öffnete es und begann, daraus vorzulesen. Von da an konnte Srimati Radhadeviji gemäß ihrem Wunsche alle Bücher Mahaprabhujis lesen - nicht jedoch andere Bücher, deren Schriftzeichen wie bisher unentzifferbar für sie blieben.

Beides kann Bhagwan Sri Deep Narayan Mahaprabhuji schenken: Para Vidya, spirituelles Wissen, und Apara Vidya, weltliches Wissen. Ehrfürchtig verbeuge ich mich vor Ihm, dem Spender allen Wissens. Jedoch bewundern wir auch die Empfängerin, denn zu einem solchen Ereignis gehören zwei Beteiligte - ohne Empfangsbereitschaft käme der göttliche Fluß zum Stillstand.

Der Platz, auf dem Mahaprabhuji an diesem Tage gesessen hatte, das Buch, an dem sich dieses Wunder manifestiert hatte, und der ganze Raum, in dem dies alles geschah, wurden seit damals unverändert belassen, zur Erinnerung an den Tag, der Srimati Radhadevi solches Glück gebracht hatte.

Nunmehr kamen die Bewohner von Pilauni, um die Anwesenheit Mahaprabhujis auch bei ihnen zu erbitten.

"Unsere Ortschaft bedarf ebenso der Läuterung durch Deine Heiligkeit", sagten sie zu ihm.

Sri Johar Singh, der Bürgermeister, und Tej Singh, der Polizeiinspektor, gestalteten Mahaprabhujis Empfang. Fünf Tage lang hielt er bei ihnen Satsang, und seine goldenen Worte dienten zur Erleuchtung der Menschheit wie zum Wohle aller Lebewesen in den Fluren von Pilauni. Alle Bewohner des Dorfes fühlten tiefe Dankbarkeit, da auch sie in diesem Leben einen göttlichen Meister gefunden hatten.

Danach begab sich Mahaprabhuji noch nach Shivas, Indravada, Jait-Singhji-ka-Guda und an andere Orte, um überall seine Gnade und seinen Segen zu erteilen.

 

Segen für Sri Devi Singhji

Im Dorfe Shivas war ein Ergebener namens Devi Singhji zum Satsang gekommen. Während des Gebets drang ihm sein Herzenskummer in den Sinn: Devi Singhji hatte  nur ein einziges Kind. Und da glückliche Kinder der größte Segen jeder Familie sind, hatte er immer wieder um weitere Nachkommen gebetet, dies jedoch vergeblich. Jetzt wiederholte er im Stillen vor Gurudeva seine Bitte. Dieser empfing sein Gebet.

"Sorge dich nicht", sagte er. "Im Königreich Gurudevas werden alle Wünsche erfüllt. Du wirst mit zwei Söhnen und einer Tochter gesegnet werden."

Für den frommen Devi Singhji waren Mahaprabhujis Worte die Worte Gottes. Niemals zweifelte er daran, und heute lebt er mit seiner Frau und vier Kindern in großer Verehrung für Mahaprabhuji.

Devi Singhji erfuhr noch einmal Mahaprabhujis Gnade. Da sein Brunnen ausgetrocknet war, konnte er seine Felder nicht mehr bewässern. Wieder bat er in stillem Gebet um Gurudevas Hilfe.

Lächelnd meinte dieser:

"Die Menschen dieser Welt finden kein Ende ihrer Wünsche. Doch  besagt das Gesetz: Der Dürstende, der zum Wasser kommt, wird seinen Durst stillen können. Von heute an wirst du reichlich reines Wasser haben."

Immer noch führt dieser denkwürdige Brunnen Wasser, sogar dann, wenn in der heißesten Zeit des Jahres alle anderen Wasserstellen schon ausgetrocknet sind. Der bedeutungsvoll Name des Brunnens ist Sri Deep Sagar - das Meer Mahaprabhujis.

Gott erfüllt alle Wünsche seiner Ergebenen. Nichts ist Ihm unmöglich.

Während eines Aufenthaltes beim Maharaja von Jodhpur sorgte Sri Devi Singhji für Mahaprabhujis Wohl. Eines Morgens wollte Mahaprabhuji ein Bad nehmen, und Devi Singhji bereitete alles dafür vor. Eine Wanne wurde gebracht und mit gewärmtem Wasser gefüllt, doch sorgte er sich, ob die Wanne für Mahaprabhuji nicht zu klein sei. Während er sich noch darüber Gedanken machte, betrat dieser den Raum. Auf die Frage, was ihn beunruhige, erwiderte Sri Devi Singhji:

"Gurudeva, ich fürchte, diese Wanne ist zu klein für Dich; das Wasser wird überfließen, wenn Du Dich hineinsetzst."

Darauf sprach Mahaprabhuji lächelnd:

"Mache dir keine Sorgen. Du wirst sehen, daß kein einziger Tropfen Wasser verloren gehen wird, wenn ich ins Bad steige. Die Wanne ist stets groß genug für mich."

Mahaprabhuji stieg hinein und streckte sich darin aus - und vor dem erstaunten Blick Sri Devi Singhjis wurde sein Körper plötzlich kleiner - so klein wie der eines Kindes. Der Schüler stand angesichts der wunderbaren Verwandlung sprachlos da. In Hingabe beobachtete er das Göttliche Spiel, das Lila Mahaprabhujis, wie dieser in Gestalt eines Kindes im Wasser spielte und sich mehr als eine Stunde lang des Badens erfreute. Als er wieder aus der Wanne stieg, wuchs sein Körper zur ursprünglichen Größe zurück.

In tiefer Verehrung und Dankbarkeit verbeugte sich Sri Devi Singhji, der Zeuge dieses Wunders werden durfte, vor Gurudeva.

 

Die Erfüllung eines Wunsches

Nach seinem Aufenthalt in Jodhpur folgte Mahaprabhuji der Einladung seines sehr ergebenen und treuen Schülers Thakur Raghunath Singh nach Keshersinghji Guda, wo die Bewohner, vom reinen und spirituellen Leben ihres Oberhauptes inspiriert, Mahaprabhuji um Segen und Mantraeinweihung baten.

Bei seinen Überlegungen, welche nützlichen Dinge er Mahaprabhuji für dessen Ashram mitgeben könnte, kamen Thakur Raghunath Singhji auch Chilischoten in den Sinn. Chilischoten sind für den indischen Haushalt unentbehrlich. Im Westen kann man sich gar keine Vorstellung davon machen, in welchen Mengen diese roten und grünen feurigen Schoten tagtäglich in den indischen Kochtöpfen verschwinden!

Sorge bereitete dem Thakur allerdings, daß in jenem Jahr aufgrund der Dürre die Chiliernte nur sehr spärlich ausgefallen war und diese daher sehr teuer waren. Er selbst gar hatte nicht eine einzige geerntet.

Mahaprabhuji las seine Gedanken und sagte lächelnd:

"Was sorgst du dich wegen der Chilis? Mit Gurudevas Anwesenheit und seinem Segen wird alles möglich. Führe mich zu dem Feld, wo du Chilis gepflanzt hast."

Auf dem Weg zum Feld berichtete der Thakur bekümmert, daß er nun schon seit zwei Jahren keine Chilis mehr geerntet habe, und als sie anlangten, sahen sie wirklich nur verdorrte Stiele aus der Erde ragen. Die Pflanzen waren abgestorben und Ungeziefer hatte ihre Wurzeln abgefressen.

Mahaprabhuji sah sich um und sagte:

"Geh und bewässere das Feld, und die Chilis werden wieder zu wachsen beginnen."

Obwohl der Thakur sich dies nicht vorstellen konnte, wagte er nicht, die Weisung Mahaprabhujis zu mißachten. Er bewässerte also die leblosen Stengel sorgfältig, und siehe da, bereits am nächsten Tag ergrünte das Feld und es wuchsen die Chilis in Fülle. Schon sieben Tage später konnten drei Zentner Chilis bester Güte von dem Feld abgeerntet werden.

Mahaprabhuji wurde gebeten, zu diesem Wunder etwas zu sagen, und so sprach er:

"Liebe Brüder, der Garten Gurudevas ist immer grün! Um ihn frisch zu halten, braucht es nur eines: Wasser - das Wasser der Liebe und der Ergebenheit. Wir alle sind Blumen in Gottes Garten. Dort wachsen und erblühen wir, wenn wir Ihm nur unsere Herzen zuwenden, um sein lebensspendendes Licht zu empfangen."

Sri Raghunath Singhs ältester Sohn war Bhanwar Singh, der vor einigen Jahren geheiratet hatte, aber bisher kinderlos geblieben war. Besonders seine Mutter war traurig darüber - denn alle Mütter wünschen sich Enkelkinder -, und sie beschloß, Mahaprabhuji um Hilfe zu ersuchen.

Sie fragte: "Werde ich jemals die Kinder meines Sohnes in unserem Garten spielen sehen?"

Mahaprabhujis Antwort lautete:

"In zwei Jahren wird ein Enkelsohn in deinem Haus spielen. Er wird Govinda Singh heißen."

Auch diese Voraussage bewahrheitete sich. Bis heute hat sich die Familie ihre tiefe Ergebenheit für Mahaprabhuji bewahrt - auch Govinda Singh selbst, der der Regierung von Rajasthan als Polizeioffizier dient.

Jivanmukta - eine befreite Seele

Nach dem Aufenthalt bei Ragunath Singhji kam Mahaprabhuji einer Einladung des Bauern Sri Kala Ramji in die Ortschaft Akhey-Raj-Guda nach, um dort Satsang zu geben. Dieser Bauer war Mahaprabhuji sehr ergeben und spirituell weit fortgeschritten.

Einige Tage bevor er starb, teilte er seiner Familie und seinen Freunden den Zeitpunkt mit, zu dem er in das Königreich Gurudevas zurückkehren werde. Er trug ihnen auf, nicht zu trauern oder zu weinen, denn es handele sich um ein freudiges Ereignis.

Er verließ die Welt genau zu der vorausgesagten Stunde. In der Nacht vor seinem Abschied wurde Satsang gefeiert. Am Morgen begab er sich bei Sonnenaufgang wie gewohnt zum Brunnen, um sich zu waschen. Dann verrichtete er das Gebet zu Mahaprabhuji und teilte an alle Anwesenden Prasad aus. Er sprach:

"Liebe Brüder und Schwestern, sollte ich jemandem von euch irgendwann ein Unrecht zugefügt haben, so bitte ich um Vergebung. Ich werde nun Abschied nehmen, und die Flamme meines Lebens wird sich mit Gurudeva vereinigen."

Mit dem Gebet: "OM Sri Deep Narayan Mahaprabhuji ki Jay!" verbeugte er sich nochmals vor dem Altar mit Mahaprabhujis Bild und verließ seinen Körper. Wie es sein Wunsch gewesen war, erhielt er die Bestattung eines Swami.

Mahaprabhujis Schüler erhielten Befreiung, gleich welcher Herkunft sie waren, gleich ob sie Swamis, Bauern, Adlige oder Bettler waren. Ein jeder von ihnen ist Mukta Purusha - eine befreite Seele.

Halva[2] für alle

Auf Einladung seiner Ergebenen Puruhit Virdhi Singh, Devi Singh, Mohabbat Singh, und einiger weiterer, besuchte Mahaprabhuji das Dorf Ghathi. Nach dem Satsang, bei dem mit etwa zweihundert Besuchern gerechnet wurde, sollte Halva als Prasad gereicht werden. Doch als sich die Nachricht vom Kommen Mahaprabhujis verbreitet hatte, strömten Tausende Besucher herbei, um seinen Segen zu empfangen. Die Gastgeber waren ratlos, wie sie diese große Menge versorgen sollten. Mahaprabhuji bemerkte ihre Gedanken und sprach:

"Habt keine Sorge! Im Königreich Gurudevas herrscht stets Vollkommenheit. Gott sorgt für alle. Jeder erhält von Ihm seine Nahrung."

Im Vertrauen auf die Worte ihres göttlichen Meisters luden sie alle Ergebenen ein, und siehe, das Halva, das für zweihundert Menschen vorbereitet worden war, sättigte zweitausend, wobei sogar noch einiges davon übrig blieb!

 


[1]Hansa = heiliger Schwan; die Hansas, die im Mansarova-See im Himalaya beheimatet sind, ernähren sich der Legende nach ausschließlich von Perlen. Der Hansa ist ein Symbol für die Seele, und die Perlen sind das göttliche Wissen, das der Seele als Nahrung dient.

[2]Halva = indische Süßspeise aus Grieß

 

Nächstes Kapitel: Satsang zu Krishnas Geburtstag in Bola Guda

Voriges Kapitel: Yoga Nidra

Übersicht: Mahaprabhujis Schüler

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