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Mahaprabhuji erscheint seinen Ergebenen

Am fünften Januar 1971 hatte ich ein bemerkenswertes Erlebnis. Der Juwelenhändler Narottam Dass Javeri kam nach dem Satsang zu mir, um mich über die Technik des Samadhi zu befragen. Ich versuchte ihm zu erklären, daß Samadhi nichts ist, was man kaufen könne oder geschenkt erhalte, sondern daß dazu eine lange Zeit der Entwicklung und Übung nötig sei. Doch Sri Javeri berichtete mir, er interessiere sich bereits seit seiner Kindheit für Yoga.

"Ich meditierte schon oft", sagte er, "allerdings ohne Anleitung durch einen Meister. Vor drei Jahren hatte ich zum ersten Mal eine Samadhi-Erfahrung. Für einige Sekunden lang war mein Inneres in Dunkelheit gehüllt, dann erschien ein wunderbar strahlendes Licht, das mehr als eine Stunde lang nicht von mir wich. Von diesem Tag an begann ich, regelmäßig zu üben und kann nun bis zu sieben Stunden in diesem Stadium verweilen. Dabei werden mir die Erscheinungen von Devas, von Brahma, Vishnu, Shiva, den verschiedenen göttlichen Inkarnationen, den Rishis und Munis zuteil."

Mit großem Interesse hörte ich ihm zu, und nun kam das Wichtigste:

"In den letzten fünf Tagen wurde ich während des Samadhi von einem Heiligen mit Turban besucht. Er ist von hellem Glanz umgeben und ich fühle mich von seiner Persönlichkeit stark angezogen. Zahlreiche Götter und Heilige begleiten ihn. Er lächelt mir zu, verhält sich aber schweigend. Ich kenne ihn nicht. Wenn du irgendetwas über ihn weißt, dann bitte ich dich, es mir mitzuteilen."

Ich war sicher, daß der Heilige, den Seth Narottam Dass Javeri mir beschrieb, kein anderer sein konnte als Mahaprabhuji. Also holte ich eine Fotografie Gurudevas aus meiner Tasche und zeigte sie Sri Sethji. Dieser rief, als er das Bild erblickte, sofort aus:

"Ja! Dieser Mahatma erscheint mir während meiner Meditation. Bitte, sei so gütig und sage mir, wo er zu finden ist. Durch ihn wird mein Leben Erfüllung erlangen! Bist du sein Schüler, so nimm mich bitte als deinen Gurubhai[1] an."

Ich beglückwünschte Sri Javeri dazu, durch Mahaprabhujis Darshan gesegnet worden zu sein. Ich teilte ihm auch mit, daß Gurudeva seine irdische Gestalt am fünften Dezember 1963 abgelegt habe. Daß er ihm während seiner Meditation erschienen sei, sei ein Zeichen seiner hohen geistigen Entwicklungsstufe.

Sri Javeri bat darum, mich am nächsten Tag wieder aufsuchen zu dürfen. Als er am Nachmittag kam, empfing er von mir die Mantra Diksha. Drei Tage später besuchte er mich noch einmal, um mir folgendes zu berichten:

"Ich übte das Mantra, das du mir gabst, gewissenhaft. Nach kurzer Zeit schon hatte ich das Gefühl, eine strahlende Energie durchströme mich, und es schien mir, als verließe ein dunkler Schatten meinen Körper. Ich wiederholte weiter mein Mantra, bis der Schatten gänzlich entschwand. Seither fühle ich mich viel leichter, und die Schwere, die Lethargie und die Unpäßlichkeiten, worunter mein Körper seit längerem litt, sind verschwunden. In meinem Augenbrauenzentrum erglänzte ein Licht und ich vernahm den Klang OM. Aus dem Lichtstrahl aber erschien das gütige Antlitz Mahaprabhujis, der mir zulächelte und zu mir sagte:

'Du bist mein. Ich nehme mich immer meiner Ergebenen an. Manche von ihnen vergessen mich durch die Verlockungen der Maya; dennoch gebe ich sie niemals auf. Ich wache über alle meine Ergebenen.'

Dann sagte er noch:

'Laß dir von Madhavananda eine Kopie meiner Gita geben.'

Danach entschwand die Erscheinung. Swamiji, ich bitte dich nun, mir eine Kopie der "Sri Vigyan Deep Gita" zu geben."

Ich entsprach Sri Javeris Bitte. Drei Tage später suchte er mich wiederum auf und erzählte:

"Swamiji! Vorgestern um neun Uhr in der Frühe, als ich Sri Mahaprabhujis Gita aufschlug, gelangte ich in Samadhi und hatte die Vision, daß Mahaprabhuji vor mir in einem Lehnstuhl sitze. Er nahm mir die Gita aus der Hand und las daraus vor. In einfachen Worten erklärte er mir die Bedeutung. Während ich diesen Nektar göttlichen Wissens trank, wurde ich von himmlischer Glückseligkeit erfüllt.

Die Erscheinung dauerte bis fünf Uhr früh an, also acht Stunden lang. Ich war mir der Zeit überhaupt nicht bewußt. Nie zuvor habe ich solche allüberschreitende Freude erlebt. Mahaprabhujis Stimme ist für immer in mein Herz gedrungen, ohne sie kann ich nichts mehr genießen.

Zum Schluß sagte Mahaprabhuji zu mir: 'Ich gab Madhavananda einige wichtige Aufträge, bei denen du ihm helfen sollst.' Deshalb, Swamiji, sage mir, was ich für dich tun kann."

Ich bat ihn, nur mit dem Japa[2] von Mahaprabhujis Mantra fortzufahren und meinte:

"Für die Erfüllung der Arbeit, die Mahaprabhuji mir auftrug, wird sicherlich er selbst sorgen. Ich habe mein Dasein ihm zu Füßen gelegt."

Nach diesen Ereignissen kehrte ich nach Nipal zurück und besuchte einige Orte in Rajasthan, darunter auch Bari Khatu. Dort betete ich vor Mahaprabhujis Samadhi und begab mich dann zum Berg Abu, wo ich begann, seine Lebensgeschichte niederzuschreiben. Ich diktierte sie meinem Schüler Ram Lal Garg, dem Sohn meiner jüngeren Schwester aus dem Dorf Narlai, der das Manuskript anfertigte.

Auf Wunsch meiner Schüler in Bombay reiste ich auch dorthin, um einige Zeit zu bleiben. Danach unternahm ich eine Rundreise durch die Provinz Katch. Und siehe, auch da ereignete sich durch Mahaprabhujis Segen Wunderbares.

 

Jakhu Bhai, ein Jain aus dem Ort Sidra, war unter meiner Anleitung ein Ergebener Mahaprabhujis geworden und betete zu ihm, er möge ihn mit einem Sohn segnen. Mahaprabhuji gewährte ihm seinen Wunsch, und nach einiger Zeit wurde ihm denn ein Nachkomme geboren.

Eines Tages pilgerte Jakhu Bhai nach Jain Mandir, um dort seine Andacht zu verrichten. Auf dem Wege dahin hatte er eine Erscheinung Mahaprabhujis. Jakhu Bhai fiel ihm vor Freude zu Füßen, und Mahaprabhuji legte ihm segnend seine Hand auf den Kopf. Jakhu Bhai bat ihn:

"Herr, besuche doch gütig mein Haus."

Mahaprabhuji lächelte und antwortete:

"Ich begebe mich in das Innerste deiner Seele."

Er wurde zu einem feinen Lichtstrahl, der in das Herz seines Ergebenen drang. Jakhu Bhai erlebte unsagbare Freude und Erleuchtung. Er setzte seinen Weg zum Tempel nicht fort, sondern kehrte nach Hause zurück. Als seine Familie den Grund für die vorzeitige Rückkehr wissen wollte, antwortete Jakhu Bhai:

"Bhagwan Mahavir ist mir heute erschienen! In ihm erkannte ich den Vater des Universums, Sri Deep Narayan Bhagwan - Er allein existiert im ganzen Kosmos."

Sie verstanden ihn nicht und warfen ihm vor, er verleugne seine Religion. Aber Jakhu Bhai ließ sich davon nicht beeindrucken. Er bekräftigte, nur die Wahrheit könne die Menschen erlösen, und zur Überquerung des Ozeans der Welt sei die Gnade des Satguru Sri Swami Deep vonnöten.

Jakhu Bhai führte ein reines und spirituelles Leben. Er verließ die Welt ohne Anzeichen von Leiden, in völliger Gesundheit. Am letzten Tage seines Erdendaseins stand er wie immer morgens um vier Uhr auf, nahm sein Bad und betete dann zu Mahaprabhuji:

"Mein Herr, bitte, nimm mich auf in Dein Königreich!"

Mit diesen Worten verließ er seinen Körper.

 

 


[1]Gurubhai = "Guru-Bruder", Schüler desselben Meister

[2]Japa = kontinuierliche Wiederholung des Mantra

 

Nächstes Kapitel: Mein Besuch in Europa

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Übersicht: Die Verbreitung von Mahaprabhujis Lehre

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