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Vollkommene Glückseligkeit

Mein Leben mit Mahaprabhuji begann, und ich war gewiß, endlich zu Hause zu sein. Als fast ein Monat des freudeerfüllten Dienstes für meinen Guru vorüber war, sagte er zu mir:

"Du sollst nun deine Eltern besuchen und ihnen deine Entscheidung mitteilen."

Ich hätte am liebsten nie mehr auch nur einen Tag von ihm getrennt gelebt, doch gehorchte ich der Anweisung meines geliebten Meisters und brach auf nach Nipal, zu meinem Heimatort. Bald darauf verließ auch Mahaprabhuji Jodhpur und kehrte in den Ashram zu Bari Khatu zurück.

Meine Eltern waren glücklich, mich wieder zu Hause zu haben. Mit meinem Entschluß, fortan mit meinem Gurudeva zu leben, waren sie zuerst überhaupt nicht einverstanden. Wie alle Eltern wünschten sie, ich solle ihrem Vorbild folgend die Familie weiterführen. Allmählich jedoch ließ ihr Widerstand ein wenig nach und sie versuchten nur noch, meinen Aufenthalt bei ihnen zu verlängern, indem sie ihn mir so angenehm wie möglich gestalteten. Ich aber hatte das unbehagliche Gefühl, daß sie nur Zeit gewinnen wollten, um mich doch noch umzustimmen. Da brach ich eines Nachts heimlich auf, verließ mein Elternhaus und begab mich zu Mahaprabhujis Ashram nach Khatu, das fast dreihundert Kilometer von Nipal entfernt liegt.

Erst als ich Gurudeva wiedersah, war der Durst meiner Seele gestillt, und Frieden und Glückseligkeit kehrten wieder in meinem Herzen ein. Ich bat ihn:

"Herr, nimm mich auf als Deinen Ergebenen und Schüler in Ewigkeit!"

Mahaprabhuji nahm meine Hand und antwortete:

"Mein Sohn, du bist mein und ich bin dein. Sorge dich nicht, die Dinge werden sich nun zu deiner Zufriedenheit entwickeln, und all deine Wünsche werden sich erfüllen."

Nach kurzem Schweigen fuhr Mahaprabhuji fort:

"Ich habe vier Posten zu vergeben, unter denen du auswählen kannst. Einen ersten bei der britischen Regierung, einen zweiten bei der indischen Regierung, einen dritten bei der muslimischen Regierung und den vierten bei der Regierung der Heiligen.

Sage mir, bei welcher Regierung soll ich dich anstellen?"

In diesem Augenblick spürte ich, wie sein Licht meinen Körper durchströmte, und über meine Lippen drängten die Worte:

"Oh Mahaprabhuji, stelle mich bei der Regierung der Heiligen an!"

"Soll ich das?"

"Ja, Mahaprabhuji!"

Der Herr der Barmherzigkeit schloß für eine kurze Zeit die Augen, und er veränderte mein Schicksal. Er plante eine segensreiche Zukunft für mich. Dann öffnete er seine Augen und blickte mich voll unermeßlicher Gnade an. Indem er mir seine Hände segnend aufs Haupt legte, sprach er:

"Ich habe dich angestellt. Sorge dich ab heute nicht mehr um deinen Lebensunterhalt. Ich werde dir ein orangenes Gewand geben, und du brauchst nie mehr eine andere Arbeit zu suchen."

Er fuhr fort: "Des Schicksals Gang kann vom Satguru geändert werden, und nicht einmal Brahma kann auslöschen, was der Satguru bestimmt."

Ich blickte nur in sein Antlitz und erlebte dabei eine überirdische Glückseligkeit.

Am nächsten Morgen hatte ich in meiner Meditation eine Vision: Ich sah Mahaprabhuji auf einem juwelengeschmückten Thron, rund um ihn göttliches Licht. Von überall her erklang das Mantra:

OM SATYA BRAHMA SRI DEEP PARI PURAN NARAYAN NAMAH

"OM, wahrer Brahman, Sri Deep Narayan, Höchstes Selbst,
ich verehre Dich."

Ich erblickte Brahma, Vishnu und Mahesh sowie ungezählte Götter und Heilige. Höchste Freude überkam mich beim Anblick der himmlischen und göttlichen Wesen und aus tiefster Seele stimmte ich in die Lobpreisung Mahaprabhujis ein.

Seit dieser Zeit bete ich das Mantra:

OM NAMOH SATYA BRAHMA SRI DEEP NARAYAN NAMAH

"OM, meine Verehrung dem wahren Brahman, Sri Deep Narayan."

Dieses Mantra ist erfüllt von göttlichem Licht, Wahrheit, Frieden und Glückseligkeit. Überall und in allem sehe ich Sein göttliches Licht und vernehme den Klang Seines Namens, der in diesem Mantra schwingt.

Alle Lebewesen verkünden den Lobgesang dieses Mantras. Erde, Wasser, Feuer, Luft, der Raum, alles erklingt in diesem Mantra. Bäume, Früchte, Blumen, Blätter, Seen, Flüsse und Berge, sie wiederholen dieses Mantra. Wo immer ich mich befinde, dieses Mantra begleitet mich. Meine Uhr singt dieses Mantra, wie jeder andere Gegenstand. In allen Sphären, von jedem lebenden Wesen höre ich nur dieses Mantra. Aus spirituellen Liedern, aus allen Weisen der Verehrung, aus Gebet, Musik, Gesang klingt mir dieses Mantra entgegen. Die Maya breitet ihr Netz aus, sie nimmt zu, sie nimmt ab, sie verschwindet schließlich. Aber selbst in ihr ertönt für mich nur dieses Mantra.

Das gesamte Universum ist von dieser Kraft erschaffen und geht wiederum in sie ein. Sonne, Mond und Sterne empfangen ihr Licht von Vishwa Deep, dem einen Licht in Allem, welches das Licht des Universums ist. Kein Ort existiert in den drei Sphären, der nicht vom Schein des Alleinen Lichtes erleuchtet ist und nicht im Echo seines heiligen Namens schwingt. Der Klang von "OM Namoh Satya Brahma Sri Deep Narayan Namah" und der Glanz des Alleinen Lichtes durchdringen alles. Seit dem Augenblick, da Sein Licht sich in das Innerste meiner Seele senkte, sehe ich überall Sri Mahaprabhuji. In jedem Atom schwingt dieses Mantra.

Nach kurzer Zeit begab sich Mahaprabhuji in den Ashram beim Sri Deep Narayan Bhagichi zu Khatu (von dem an früherer Stelle bereits berichtet wurde), der einige Kilometer vom Khatu Ashram entfernt liegt. Ich reiste mit ihm. Seine Satsangs, an denen Hunderte von Ergebenen teilnahmen, waren wahrhaft segensreiche Erlebnisse. Niemals vorher hatte ich solch himmlische Momente erlebt, durch und durch erfüllt von Klarheit und göttlicher Weisheit, wie in diesen wundervollen Satsangs. Mein damaliges stetiges Gebet ist mir noch gegenwärtig:

"Oh Gott, bitte gib mir solche Satsangs in jedem meiner Leben!"

Dies war der Beginn meines Lebens mit meinem göttlichen Meister und zahllose wunderbare Ereignisse durfte ich in den folgenden Jahren erleben.

 


 

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